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Überalldurchatmen mit Luisa und

Bianca in St. Peter-Ording

„... dann mache ich das erst recht!“

Mit Hochgeschwindigkeit per Kitebuggy über den Strand bei St. Peter-Ording rasen? Ist doch viel zu riskant für eine Beatmungspatientin mit fortschreitender Muskeldystrophie! Von wegen: „Wenn wer sagt: ‚Das geht nicht‘, dann mache ich das erst recht“, erklärt Bianca

Es ist der Tod ihrer Schwester, der alles auf den Kopf gestellt hat. „Das war, als hätte einer den Schalter umgelegt“, erzählt Bianca. Die 44-jährige Hamburgerin sitzt gerade in den Dünen von St. Peter-Ording, eine frische Nordsee-Brise weht ihr durch die langen, blonden Haare. „Auf einmal war da dieser Wunsch nach extremen Erfahrungen. Und ich dachte mir: Klar doch, ich will eine Safari machen … Warum denn nicht?“

„Wenn wer sagt: ‚Das geht nicht‘, dann mache ich das erst recht.“
„Verrückte Dinge zu tun – das ist für uns inzwischen ganz normal.“

Ja, warum nicht? Nun ja … vielleicht, weil Bianca an fortschreitender Muskeldystrophie leidet, also ebenjener unheilbaren Krankheit, an der ihre Schwester litt. Weil sie deshalb auf einen Rollstuhl angewiesen ist, auch auf LUISA, ihr Beatmungsgerät. Das klingt nach echten Hinderungsgründen? Bianca sieht das völlig anders: „Ob ich nun laufen kann oder nicht, spielt keine Rolle. Die Einschränkungen macht man sich selbst, im Kopf.“

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Die Safari in Afrika, Biancas erste große Expedition, ist heute längst Geschichte. Emotional ein großes Abenteuer, logistisch eine Meisterleistung. Und der Beweis, dass in Biancas Leben viel mehr möglich ist, als es auf den ersten Blick scheint. „Für die schönen Dinge musst du manchmal die Extra-Meile gehen“, sagt Andreas, Biancas Ehemann, der bei den Expeditionen nicht von ihrer Seite weicht. „Wenn wir sagen: ‚Wir machen das‘, dann machen wir das auch!“

Und was machen die beiden hier und jetzt, in St. Peter-Ording? „Ich will mit einem Kitebuggy über den Strand rasen“, sagt Bianca und blickt dabei auf die endlose weite Sandfläche, die sich hinter den Dünen erstreckt. „Alles, was mit Action zu tun hat, ist total mein Ding. Da fühle ich mich frei und lebendig, vergesse auch die Schmerzen, die ich oft habe.“

Für ein langes Wochenende sind Bianca und Andreas nach St. Peter-Ording gefahren. Erst einmal ankommen, abschalten, die Lage sichten. Von seinem Platz in den Dünen aus sieht das Paar die ersten Buggys: abenteuerliche Wagen, die entfernt an Gokarts erinnern – aber wie Kitesurfer von großen, am Himmel stehenden Drachenschirmen gezogen werden. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern brettern sie rasant über den Strand, wirbeln Sandwolken auf.

„Ich weiß, was ich an Hilfsmitteln brauche – und ich brauche natürlich die Menschen. Das ist wichtig, ohne die Menschen bin ich verloren.“
„Ich mache mir erst die kleinen Dinge schön – und arbeite mich von da aus immer weiter vor, weiter hoch.“

Bianca ist fasziniert, schaut mit großen Augen zu. Wird ihr da nicht ein bisschen bang, ist die Aktion nicht zu riskant? „Manche Menschen, die mir nahestehen, machen sich schon Sorgen“, erzählt sie. „Aber das ist mein eigenes Leben. Ich weiß, was ich tue. Und ja, ein bisschen mutig finde ich mich dabei doch.“ Damit die Fahrt im Kitebuggy zu einem ebenso aufregenden wie sicheren Erlebnis wird, hat das Team von Löwenstein Medical vorab einen Kitebuggy-Profi kontaktiert.

Der Kitebuggy-Fahrlehrer Moritz begrüßt Bianca und Andreas jetzt unten am Strand, steht mit seinem Buggy bereit. „Ich kann dich hinten auf dem Wagen mitnehmen, als Beifahrerin“, sagt er. „Wir müssen dich da nur irgendwie gut festschnallen.“ Die Lösung ist nach kurzer Zeit gefunden: „Bianca bleibt in ihrer Rollstuhlschale sitzen“, erklärt Andreas. „Da ist sie sowieso gut gesichert, gut angeschnallt. Die Schale lässt sich vom Rollstuhl trennen, kann direkt mit Gurten auf dem Buggy fixiert werden.“

 

„Dieser Wunsch nach extremen Erfahrungen: Das kam nach dem Tod meiner Schwester.“
„Für die schönen Situationen im Leben musst du manchmal die Extra-Meile gehen.“
„Ob ich laufen kann oder nicht laufen kann, das spielt keine Rolle. Wichtig ist, was im Kopf geschieht.“

Na also, los geht’s: Moritz und Andreas heben Bianca mitsamt der Schale aus dem Rollstuhl, befestigen auch LUISA am Buggy. Schutzhelme auf, alle in Position. Schließlich lässt Moritz den Drachen steigen. Mit einem lauten „Wuuusch“ erhebt sich der Schirm aus dem Sand, majestätisch und still steht er über dem Kitebuggy am Himmel. Noch. Dann lenkt Moritz seinen Kite in den Wind. Ein Ruck geht durch den Buggy, der schlagartig losfährt, schnell Fahrt aufnimmt.

Und Bianca? Gibt sich ganz dem Rausch hin, spürt die Geschwindigkeit, den Fahrtwind, der hart an ihren Wangen vorbeistreicht, das Ruckeln des Wagens, der jetzt über den Strand rast. „Ich hätte schreien können, springen können – ein geiles Gefühl!“, jubiliert sie später, als sie wieder sicher in ihrem Rollstuhl sitzt. Auch Andreas darf eine Runde mit dem Buggy drehen, anschließend sitzt er mit breitem Grinsen in den Dünen. „Bianca spielt die Hauptrolle in meinem Leben. Wenn ich ihr solche Erfahrungen ermöglichen kann, macht mir das einfach riesig Spaß.“

„Wir sagen: Wir machen das. Und dann machen wir das.“
„Bianca solche extremen Erfahrungen zu ermöglichen, macht mir einfach großen Spaß.“
„Ich hätte schreien können, springen können – ein geiles Gefühl.“

Also: nachspüren, schwelgen, durchschnaufen. Und wie geht’s weiter, welche Abenteuer stehen noch auf der Agenda? „Ich will in die Antarktis“, sagt Bianca fast so selbstverständlich, als würde sie vom nächsten Nordseeurlaub sprechen. „Ich war schon in der Kältekammer, mit Rollstuhl und Beatmungsgerät. Die Technik hält das aus.“ Doch längst nicht immer, so betont sie, müssten es die ganz extremen Erfahrungen sein. „Ich mache mir auch die kleinen Dinge schön – und arbeite mich von da aus immer weiter vor.“

„Bianca spielt die Hauptrolle in meinem Leben.“

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